Wir brauchen mehr Phasen wirklicher Entspannung

Ulrich Schuhmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Schuhmann Personalberatung, glaubt, dass eine gute Work-Life-Balance in der PR schwieriger ist als in anderen Branchen. Wie er die Anforderungen an Arbeitnehmer und die Chancen auf ein Sabbatical einschätzt, erzählt er im Interview:

PR-Report: Ist Work-Life-Balance in der PR-Branche schwieriger zu erreichen als in anderen Branchen?

Ulrich Schuhmann: Die PR ist sicherlich nicht grundsätzlich anders zu sehen als viele andere Branchen. Allerdings sind ihr Punkte immanent, die eine gute Work-Life-Balance tendenziell eher schwieriger erreichbar erscheinen lassen. Das gilt insbesondere für die externe Kommunikation, die in den letzten Jahren eine starke Beschleunigung erfahren hat.

Wenn Sabbaticals ermöglicht werden: Was sagt das über die Kultur des Unternehmens?

Das würde ich vorsichtig beurteilen. Es könnte auch “der Not gehorchend” möglich gemacht werden, nicht weil es Teil der Kultur sein soll. Gefährlich – ja, man kann sagen meist tödlich – ist die Frage im Vorstellungsgespräch nach dem Umgang mit Sabbaticals. Ich kenne sehr wenig Unternehmen, die Sabbatical in ihre Personalkonzepte integrieren und damit offensiv umgehen, sie sogar als Teil ihrer Kultur wahrnehmen.

Wie haben sich die Anforderungen der Arbeitswelt in den letzten Jahren verändert?

Es sind die Anforderungen, die heute für alle Branchen gelten: immer und überall erreichbar, keine Ruhephasen, Gefühl des Getrieben-seins durch Informationsflut, kein Abstand mehr um Dinge ins Lot zu bringen und so weiter. Manche treffen natürlich für die PR-Branche ganz besonders zu. Wir müssen irgendwann wieder lernen, Prioritäten so zu setzen, dass zwischendurch häufiger Phasen wirklicher Entspannung möglich sind. In der Folge kommt es nicht mehr so häufig dazu, dass man die radikale Reißleine in Form einer längeren Auszeit ziehen muss.

Erschienen im PR-Report / 03-2013 (Interview: Andrea Munz)

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